Metallrohstoffe
Stahlschrottsorten und Legierungsmetalle am Standort Salzgitter einordnen
Stahlschrottsorten Salzgitter Legierungsmetalle: So ordnen Einkauf und Controlling Sorten nach DIN EN 12849, Legierungszuschläge und Marktdaten ein.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Stahlschrottsorten Salzgitter Legierungsmetalle sind für die Rohstahlproduktion am Standort Salzgitter eine Kalkulationsfrage mit Normbezug.
- Die Sortenbezeichnungen folgen DIN EN 12849, nicht dem Sprachgebrauch des Händlers.
- Legierungszuschläge hängen an Nickel, Molybdän, Chrom, Vanadium und Mangan, nicht am Schrottgewicht allein.
- Wirtschaftsvereinigung Stahl und Destatis liefern die Mengen- und Außenhandelsbasis für die Einkaufsplanung.
- Urban Mining und die Sekundärrohstoffwirtschaft verschieben Verfügbarkeiten, nicht nur Preise.
- Sortenreinheit ist ein Prüfpunkt im Wareneingang, keine Zusage des Lieferanten.
Stahlschrottsorten Salzgitter Legierungsmetalle: Bedeutung für die Rohstahlproduktion
Die Salzgitter AG betreibt in Salzgitter ein integriertes Hüttenwerk mit Hochöfen und Sauerstoffaufblaskonvertern. Hinzu kommen die Walzwerke der Salzgitter Flachstahl GmbH und die Peiner Träger GmbH im Umfeld des Standorts. Wer hier einkauft, kauft Einsatzstoffe mit definierter Analyse, nicht Reststoffe.
Mit dem SALCOS-Vorhaben stellt der Konzern die Rohstahlerzeugung auf wasserstoffbasierte Direktreduktion und Elektrolichtbogenöfen um. Für den Einkauf ändert das Mengen und Sortiment. Eine Direktreduktionsanlage wird mit höheren Schrottanteilen gefahren als ein Hochofen.
Die Schrottquote hängt an der Route. Im Hochofen-Konverter-Betrieb liegt sie deutlich unter 30 Prozent, im Elektrostahlwerk über 90 Prozent. Jede Tonne Schrott ersetzt damit einen Teil der Primärroute und spart Erz, Koks und Sauerstoff.
Der Preis je Tonne ist nur die halbe Rechnung. Entscheidend ist der Preis je Tonne flüssigen Rohstahls, der aus einer Sorte tatsächlich entsteht. Ausbringen, Energiebedarf und Legierungskorrektur entscheiden über den Vorsprung.
Hintergrund zu Stahlschrottsorten und Legierungsmetallen liefert der Überblicksartikel zu Stahlschrott und seine Sorten, wenn Begriffe im Lieferantengespräch geklärt werden müssen. In Salzgitter zählt die Abstimmung zwischen Schrottquote, Legierungsbedarf und Ofenführung.
Schrottsorten nach DIN EN 12849 einordnen
DIN EN 12849 beschreibt Schrottsorten für die Stahlherstellung und ordnet sie nach Herkunft, Aufbereitung und Zusammensetzung. Die Norm macht Vorgaben zu Stückgröße, Sperrigkeit, Begleit- und Nichteisenmetallen, Feuchte und Anhaftungen. Sie ist die gemeinsame Sprache zwischen Händler, Werk und Prüflabor.
Die gängigen Handelssorten unterscheiden sich vor allem in der Wandstärke. Schwerer Altschrott beginnt bei etwa 6 Millimetern Wandstärke, leichter Altschrott liegt zwischen 3 und 6 Millimetern, dünnwandiger Neuschrott darunter. Shredderschrott wird auf Stückgrößen bis rund 200 Millimeter zerkleinert, Gussbruch getrennt erfasst.
Die Sortennummern und Grenzwerte stehen in der jeweils gültigen Normausgabe und in der Annahmespezifikation des Werks. Wer sich auf Handelsnamen verlässt, verhandelt über Wörter statt über Spezifikationen.
| Merkmal | Prüfpunkt im Einkauf | Folge bei Abweichung |
|---|---|---|
| Stückgröße | Siebanalyse, Chargenprotokoll | Nachzerkleinerung, Mengenverlust |
| Begleitmetalle | Analyse auf Kupfer, Zinn, Nickel | Legierungskorrektur, Preisabzug |
| Nichteisenmetalle | Sichtkontrolle, Sortierprobe | Sortierkosten, Reklamation |
| Störstoffe | Feuchte, Anhaftungen, Öl | Minderung, Entsorgungskosten |
| Herkunft | Lieferkette, Begleitpapiere | Dokumentationslücke |
Die Tabelle ersetzt keine Annahmespezifikation, sie strukturiert sie. Jede Zeile gehört in den Vertrag, nicht in eine Fußnote.
Sortenbezeichnungen richtig lesen
Händler sprechen von Altschrott, Neuschrott oder Shredderschrott, die Norm spricht von Sorten mit Nummern und Grenzwerten. Beide Systeme sind zulässig, prüfbar ist nur eines. In den Vertrag gehört die Normbezeichnung, der Handelsname nur als Zusatz.
Wo die Abgrenzung schwerfällt
Mischschrott aus Rückbauprojekten lässt sich selten sauber einer Sorte zuordnen. Dann hilft eine vereinbarte Analyse vor Lieferung. Ohne sie trägt das Werk das Risiko der Entmischung.
Legierungszuschläge und Legierungsmetalle bewerten
Legierungszuschläge gleichen die Preisschwankungen der Legierungsmetalle aus. Sie beziehen sich auf Nickel, Molybdän, Chrom, Vanadium und Mangan, jeweils mit eigener Basis und eigenem Notierungszeitraum. Der Zuschlag ist damit ein Finanzinstrument im Einkaufsvertrag.
Die Rechenregel ist einfach: Legierungsgehalt der Charge in Prozent, multipliziert mit dem Faktor 10, multipliziert mit der Notierung in Euro je Kilogramm. Ein Prozent Nickel bei 15 Euro je Kilogramm ergibt 150 Euro je Tonne Schrott.
Als Notierungen dienen in der Praxis die LME-Kurse für Nickel, die Quotierungen für Molybdänoxid und Ferromolybdän sowie Händlerquotierungen für Chrom, Vanadium und Mangan. Der Basiswert zieht den Legierungsanteil ab, der im Grundpreis der Standardsorte schon enthalten ist.
Vier Punkte gehören in jede Zuschlagsregelung:
- Referenznotierung und Quelle festlegen.
- Basiswert und Basiszeitraum schriftlich fixieren.
- Analysenwert der Charge als Rechengrundlage benennen.
- Anpassungsintervall und Nachweispflicht regeln.
Ohne Punkt drei rechnet jede Seite anders. Ohne Punkt vier entstehen Streitfälle erst bei der Rechnung.
Praxisbeispiel aus dem Wareneingang
Edelstahlschrott der Güte 1.4301 enthält rund 18 Prozent Chrom und 8 Prozent Nickel. Eine Tonne trägt damit 80 Kilogramm Nickel. Bei 15 Euro je Kilogramm sind das 1.200 Euro Metallwert, abzüglich eines Basiswerts von 400 Euro bleiben 800 Euro Zuschlag je Tonne.
Weicht die Annahmeprobe ab, wird auf den Analysenwert gerechnet, nicht auf die Lieferangabe. Eine Differenz von 0,2 Prozentpunkten Nickel entspricht bei dieser Notierung 30 Euro je Tonne.
Wirtschaftsvereinigung Stahl und Destatis-Daten als Marktgrundlage
Die deutsche Stahlindustrie erzeugt jährlich rund 35 Millionen Tonnen Rohstahl. Rund 70 Prozent entstehen über die Hochofen-Konverter-Route, rund 30 Prozent elektrisch. Die Wirtschaftsvereinigung Stahl veröffentlicht diese Produktionszahlen und weist die Schrottquote der einzelnen Routen aus.
Für Salzgitter sind diese Kennzahlen die Folie, vor der die eigene Bedarfsmenge plausibilisiert wird. Steigt die Elektrostahlquote, wächst der Schrottbedarf und mit ihm der Wettbewerb um sortenreine Ware.
Das Statistische Bundesamt liefert die Außenhandelsseite. Die aktuellen Daten zum deutschen Außenhandel weisen für Stahlschrott seit Jahren Ausfuhren im Millionenbereich aus, überwiegend in andere EU-Staaten und in die Türkei.
Auf der Einfuhrseite stehen Legierungsmetalle und Ferrolegierungen. Deren Herkunft hängt an wenigen Erzeugerländern. Die Deutsche Rohstoffagentur (DERA) bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe bewertet diese Abhängigkeiten.
Beide Quellen ergeben eine Mengenrechnung, keine Prognose. Der Einkauf nutzt sie, um Bedarfsmengen zu plausibilisieren und Lieferantenangaben zu prüfen.
Daten richtig verwenden
Veröffentlichte Aggregate ersetzen keine Lieferantenzusage. Sie zeigen den Rahmen, in dem verhandelt wird. Wer sie als Preisprognose liest, überinterpretiert sie.
Urban Mining als Quelle für Stahlschrott und Legierungsmetalle
Urban Mining erschließt Metalle aus Bauwerken, Anlagen und Infrastruktur. Für Stahlschrott bedeutet das zusätzliche Mengen aus dem Rückbau von Stahlbeton, stillgelegten Anlagen, Schienen und Rohrleitungen. Die Zusammensetzung schwankt stärker als bei Neuschrott aus der Fertigung. Das Umweltbundesamt beschreibt Urban Mining als Rohstoffquelle und ordnet die Strategie ein, diese Bestände systematisch zu nutzen.
Für den Einkauf in Salzgitter heißt das: Rückbauprojekte werden zu Lieferquellen, aber selten zu sortenreinen Quellen. Die Aufbereitung entscheidet über die Einsatzfähigkeit. Wer Urban-Mining-Mengen einkauft, braucht eine Sortierstufe davor oder danach.
Legierungsmetalle fallen dabei nicht als eigene Fraktion an. Sie stecken im Edelstahlschrott und in legierten Bauteilen, die getrennt erfasst werden müssen. Die Trennung ist der eigentliche Wertschöpfungsschritt, weil die Analyse über den Erlös entscheidet.
Sekundärrohstoffwirtschaft und Schrottmärkte in Deutschland
Die Sekundärrohstoffwirtschaft bildet die Infrastruktur für Schrott- und Recyclingrohstoffmärkte. Der Überblick des Umweltbundesamts zur Sekundärrohstoffwirtschaft in Deutschland nennt die Grundlagen, unter denen Sekundärrohstoffe gehandelt und eingesetzt werden.
In Deutschland fallen jährlich Schrottmengen an, die den Bedarf der Werke übersteigen. Die Differenz geht in den Export, vor allem über die Seehäfen.
Die regionalen Anfallstrukturen unterscheiden sich deutlich. In Nordrhein-Westfalen dominiert Schrott aus der Montan- und Maschinenbauindustrie, in Baden-Württemberg und Bayern aus dem Maschinenbau, in Sachsen aus dem Anlagenbau. Rund um Salzgitter liefern Automobil- und Zulieferbetriebe zwischen Hannover, Wolfsburg und Braunschweig überwiegend Neuschrott.
Der Standort liegt am Mittellandkanal und hat Zugang zu den Seehäfen Hamburg und Bremen. Das hält die Frachtkosten für Anlieferungen per Binnenschiff niedrig. Wer Schrott aus dem Umland von Salzgitter bezieht, zahlt weniger Fracht als bei Importen über die Küste. Qualitätsrisiko und Prüfpflicht unterscheiden sich dagegen kaum.
Legierungsmetalle kommen überwiegend aus dem Ausland, Schrott überwiegend aus der Region.
Was das für Verträge bedeutet
Lieferverträge mit regionalen Aufbereitern sollten Laufzeit, Mindestmengen und Analysepflicht verbinden. Reine Tagespreisgeschäfte sichern Mengen, aber keine Qualität.
Qualitätskontrolle und Sortenreinheit im Einkauf sicherstellen
Sortenreinheit lässt sich nicht zusichern, nur prüfen. Der Wareneingang ist die letzte Stelle, an der eine Abweichung noch korrigierbar ist. Danach wandert der Fehler in die Schmelze.
Zur Annahme gehören ein Handgerät für die Röntgenfluoreszenzanalyse, eine Siebprobe und ein Chargenprotokoll. Kupfer, Zinn, Nickel und Molybdän lassen sich damit vor Ort vorprüfen. Die verbindliche Analyse macht das Labor.
Checkliste für die Annahme:
- Normbezeichnung und Sortennummer stimmen mit der Bestellung überein.
- Begleitpapiere enthalten Herkunft, Menge und Aufbereitungsart.
- Stichprobe auf Größe, Feuchte und Anhaftungen ist dokumentiert.
- Analyse auf Kupfer, Zinn, Nickel und Molybdän liegt vor oder ist beauftragt.
- Prüfmittel und Analysenmethode sind in der Spezifikation benannt.
- Abweichungen sind mit Mengenabzug oder Reklamation erfasst.
- Ergebnisse fließen in die Lieferantenbewertung ein.
Wer diese sieben Punkte führt, diskutiert nicht über Vertrauen, sondern über Zahlen. Die Lieferantenbewertung wird damit zur Steuerungsgröße im Einkauf.
Prüfintervalle festlegen
Nicht jede Charge braucht eine Volanalyse. Eine feste Frequenz je Lieferant und Sorte reicht, solange Auffälligkeiten zu einer Verdichtung führen. Die Frequenz gehört in die Lieferantenvereinbarung.
Häufige Fragen
Welche Norm regelt Schrottsorten in Deutschland?
DIN EN 12849 beschreibt Schrottsorten für die Stahlherstellung nach Herkunft, Aufbereitung und Zusammensetzung. Im Vertrag sollte die Normbezeichnung stehen, der Handelsname nur ergänzend.
Wie werden Legierungszuschläge berechnet?
Der Zuschlag ergibt sich aus dem Legierungsgehalt der Charge in Prozent, multipliziert mit dem Faktor 10, multipliziert mit der Notierung in Euro je Kilogramm, abzüglich des vereinbarten Basiswerts. Grundlage ist der Analysenwert, nicht die Lieferangabe.
Warum ist Salzgitter für den Schrotteinkauf relevant?
Die Salzgitter AG betreibt dort ein integriertes Hüttenwerk mit Hochöfen und Konvertern und stellt auf Direktreduktion mit Elektrolichtbogenöfen um. Der Standort am Mittellandkanal liegt nah an Zulieferbetrieben zwischen Hannover, Wolfsburg und Braunschweig.
Welche Daten liefern Destatis und die Wirtschaftsvereinigung Stahl?
Die Wirtschaftsvereinigung Stahl veröffentlicht Produktionszahlen zur Rohstahlproduktion und zur Schrottquote der Routen, Destatis weist die Außenhandelsmengen von Schrott und Rohstoffen aus. Zusammen ergeben sie eine Mengenbasis für die Bedarfsplanung.
Was bedeutet Urban Mining für den Stahlschrotteinkauf?
Urban Mining erschließt Metalle aus Rückbau und Infrastruktur. Die Mengen sind zusätzlich verfügbar, aber selten sortenrein, deshalb entscheidet die Aufbereitung über die Einsatzfähigkeit.
Wie oft sollte Schrott geprüft werden?
Eine feste Prüffrequenz je Lieferant und Sorte genügt, solange Auffälligkeiten zu dichteren Kontrollen führen. Die Frequenz wird in der Lieferantenvereinbarung festgehalten.